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OSZ IMT-Gebäude

Berufe aus dem Klassenzimmer

Dokumentation, Berliner Morgenpost 12.02.2006

Ein Zusatzangebot mit Vor- und Nachteilen: Die vollschulische Ausbildung.

Von Karin Hahn

Stolz trägt man den neuen DVD-Recorder oder die Hi-Fi-Anlage nach Hause. Man möchte die Neuerwerbung schnell anschließen, doch kaum hält man die Gebrauchsanweisung in den Händen, beginnt das große Fluchen. Wie meinen die das? Was soll ich tun?

Wie man eine verständliche Gebrauchsanleitung schreibt, Handbücher und Webseiten erstellt oder eine perspektivische Zeichnung anfertigt, all das lernt Ulrike Lange. Sie ist Schülerin am Oberstufenzentrum Informations- und Medizintechnik (OSZ IMT) in Berlin-Neukölln und absolviert dort die dreijährige Ausbildung zur Assistentin für Technische Kommunikation und Dokumentation. Das ist einer von rund 25 Ausbildungsberufen, den die Jugendlichen in Berlin im Rahmen einer vollschulischen Ausbildung erlernen können.

"Die vollschulische Berufsausbildung ist ein Zusatzangebot zur dualen Berufsausbildung", sagt Hartmut Hartmann, Referatsleiter der Schulaufsicht für berufliche Schulen in Berlin. Während die Jugendlichen in der dualen Ausbildung in einem Betrieb angestellt sind, dort die praktische Ausbildung absolvieren und sich an ein bis zwei Tagen in der Woche in der Berufsschule das theoretische Wissen aneignen, besuchen sie in der vollschulischen Ausbildung drei Jahre lang täglich die Schule. Dort werden die theoretischen und praktischen Berufsinhalte vermittelt. Die Ausbildung schließt mit einer staatlich anerkannten Prüfung oder einer IHK-Prüfung ab. Zusätzlich erwerben die Absolventen der Assistentenberufe die Fachhochschulreife, die zu einem Studium an einer Fachhochschule berechtigt.

Ulrike Lange hatte sich nie um einen dualen Ausbildungsplatz bemüht. Sie wechselte nach der Realschule direkt auf das OSZ IMT. Ein Schritt, den sie nie bereut hat. "Der Unterricht ist sehr projektorientiert, wir müssen selber recherchieren und uns die Themen erarbeiten." Frontalunterricht ist hier Vergangenheit, und dieses Konzept geht auf: "Unsere Schüler werden während ihres achtwöchigen betrieblichen Praktikums oft für ihr selbständiges Arbeiten gelobt", so OSZ-Schulleiter Hartmut Brösemann. Positiv werde in den Betrieben auch die Breite der Ausbildung und der Umgang mit modernster Technik bewertet. Dennoch kann die Schule die Arbeitsrealität im Betrieb nicht vollständig abbilden. "Viele der Schüler nehmen die Schule nicht ernst", bedauert Brösemann. Was sich in den Leistungen widerspiegelt: Nur fünfzig Prozent schaffen die Ausbildung im ersten Anlauf. Der Rest bricht ab, wiederholt eine Klassenstufe oder die Prüfung.

Über den Werdegang der Schüler nach der Ausbildung kann die Schulbehörde keine Angaben machen. "Diese Daten werden nicht erfaßt", sagt Hartmut Hartmann. "Wir wissen aber, daß die Schüler, die nach der vollschulischen Ausbildung eine IHK-Prüfung ablegen, im Durchschnitt nicht schlechter sind als die Schüler, die eine duale Ausbildung durchlaufen haben." Damit dürften ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt ungefähr gleich sein. Viele basteln noch weiter an ihrer Karriere. "Etwa ein Drittel unserer Absolventen in den Assistentenberufen beginnt nach dem Abschluß ein Fachhochschulstudium", sagt Hartmut Brösemann. "Ein weiteres Drittel geht in den Beruf, und die anderen leisten ihren Wehr- oder Zivildienst."

Das Manko: Ein vollschulischer Ausbildungsplatz kostet den Staat dreimal soviel wie ein dualer. Zudem werden die Unternehmen mit jedem weiteren vollschulischen Bildungsgang von ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung zur Ausbildung weiter befreit. Im Schuljahr 2004/05 waren bereits 13 819 von insgesamt 57 527 Auszubildenden in einer vollschulischen Ausbildung. Positiv: Diese Berufsausbildung bietet besonders Realschülern die Chance, einen Beruf zu erlernen, der bei der dualen Ausbildung oft nur Gymnasiasten offensteht. "Wir sind der Lieferant für die Fachhochschulen", so Brösemann. "Durch die Doppelqualifikation mit dem Fachabitur steht unseren Absolventen auch der Weg in die Ingenieurausbildung offen." Die freie Wirtschaft, die ständig über zu wenig Ingenieure klagt, dürfte das freuen.

Quelle

Berliner Morgenpost

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Assistentin für Technische Kommunikation und Dokumentation

Vollschulische Berufsausbildung

Duale Berufsausbildung

Doppelqualifizierende Bildungsgänge

Berufspädagogik: Nicht ausbildungsreif?

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aktualisiert am:
13.07.2009
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