OSZ IMT - Oberstufenzentrum Informations- und Medizintechnik

Begegnung mit Feridun Zaimoglu

Eingeladen zur Lesung mit Feridun Zaimoglu (gesprochen: [zaiˈmoːlu]) im OSZ IMT am 03. Dezember 2019 waren Schüler*innen, Auszubildende und Lehrkräfte, sodass letztlich etwa 50 Teilnehmer*innen im Publikum saßen – von IBA bis gymnasialer Oberstufe.

Gleich der erste Eindruck war überraschend, denn der Autor trägt schwarze Kleidung und schwere Schmuckstücke: Ringe an den Fingern und ein Armband, das immer wieder leise klingelt, wenn er die Hände bewegt – und das tut er häufig, während er vorliest und erzählt, alles mit voller Begeisterung. Er nimmt uns mit in sein Leben, seine Kindheit als Sohn türkischer Eltern in Deutschland, als Deutscher mit türkischen Wurzeln und einer großen Liebe zur deutschen Sprache. Zaimoglu schreibt literarische Texte, Drehbücher für Filme, Theaterstücke, Literaturkritiken und Zeitungsartikel, außerdem malt er und hat schon zahlreiche Preise für seine Romane erhalten.

Als erstes stellt er den Kontakt zum Publikum ganz locker her und bietet uns das Du an. Das Buch „Kanak Sprak“, mit dem er 1995 schlagartig berühmt wurde, wird natürlich auch kurz vorgestellt, aber Feridun spricht lieber ausführlich über ein Thema, das ihm sehr am Herzen liegt: Den Umgang von uns Menschen miteinander. Als negative Beispiele erzählt er, dass er als Kind von seinen Mitschülern ausgegrenzt wurde, und dass er häufig beobachtet, wie einige Menschen sich selbst auf unangenehme Weise so benehmen, als ob die ganze Welt ihnen gehören würde. Und so ein Verhalten, sagt er, sei das Gegenteil von dem, wie er erzogen wurde. Um gemeinsam leben zu können, solle jeder Mensch höflich und zurückhaltend sein, darauf achten, dass man fremden Menschen nicht lästig wird und Verantwortung für das eigene Verhalten übernehmen.

Dann fragt er, wer sich in der Freizeit mit Literatur beschäftigt und freut sich unheimlich, dass einige Schülerinnen und Schüler Tagebuch schreiben oder Geschichten oder Gedichte. Wer in einer Band spielt, will er wissen – denn auch Liedtexte sind Lyrik, sagt Feridun und ermutigt alle, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.

Damit leitet er über zum aktuellen Anlass seines Besuches und macht uns auf einen laufenden Literaturwettbewerb aufmerksam, den THEO. Gemeinsam mit Tim Holland, einem Referenten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der ihn auf der Lesung begleitet, lädt er alle Jugendlichen unter 19 Jahren ein, zum diesjährigen Thema „Inseln“ eigene Texte einzusenden und von Literaturprofis begutachten zu lassen, um möglicherweise sogar Preise zu gewinnen. Schmunzelnd ergänzt er, dass es sich zwar nicht um große Geldpreise handelt, aber dafür um besondere Chancen wie die Teilnahme an Schreib-Workshops mit Schriftsteller*innen.

In der abschließenden Fragerunde kommen wir gar nicht zu so einfachen Fakten wie den Tagesablauf eines Schriftstellers, denn Feriduns Ansichten über das Zusammenleben in unserer multikulturellen Gesellschaft sind viel interessanter. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie der Schulleiter, Herr Dahms, danken sehr herzlich dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Berliner Senat für Kultur und Europa, die diese Lesung ermöglicht haben, sowie ganz besonders Tim Holland und Feridun Zaimoglu für diese interessante Begegnung.

Weiterführende Informationen:
https://www.theo-schreibwettbewerb.de/
http://www.feridun-zaimoglu.com/vita_fz.html

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